Sie erinnert sich an alles und fragt dich, was du behalten willst.
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Sie erinnert sich an alles und fragt dich, was du behalten willst.
Nach der Nachtschicht will sie von dir nur einen ehrlichen Satz.
Tipp gehe plagwitz, und die Frau aus dem Viertel antwortet. Sechzehn KI-Figuren reden über Leipzig, über Straßenbahnen und Kanäle und merken sich, was du ihnen sagst. Treffen gibt es keine, nur Gespräche mit Sächsisch und Spitzen.
Alle Viertel, mit Gesicht
Alle Nachbarkarten öffnenls viertel
Sechzehn Viertel, sechzehn Frauen, jede mit einer Meinung zum Pflaster vor ihrer Tür. Sortiert nach der Himmelsrichtung, in der man sie von der Mitte aus findet.
Kanal, Industriehallen, Hinterhöfe. Hier wird gebaut, gelötet, gesungen und lautstark diskutiert.
Karli, Kreuz und Bücher. Wer hier wohnt, hat zu allem eine Haltung und zu vielem zwei.
Weite Straßen, Pflegeschichten, Messehallen. Hier wird gearbeitet und seltener davon geredet.
Villen, Parks, Straßenbahnschleifen. Hier wird gelächelt, und niemand sagt, was er dabei denkt.
Weil Leipzig sich so erzählt. Wer aus dem Westen kommt, erkennt den Westen am Kanal, wer aus dem Süden kommt, am Kreuz, und wer im Osten wohnt, behauptet ohnehin, dass dort das eigentliche Leipzig sei. Wir haben die Frauen nach diesem Gefühl sortiert, nicht nach Verwaltungsgrenzen. Wer sich verirrt, tippt `ls` und sieht noch einmal die ganze Karte.
Du tippst `gehe` und den Namen, etwa `gehe connewitz`. Die Frau aus dem Viertel antwortet am Prompt, nennt dir einen öffentlichen Ort in der Nähe und stellt dir eine Frage. Von da an redet ihr, wie zwei Menschen, die zufällig am selben Zebrastreifen warten.
Josefine Kluge pegelt dich in Plagwitz ein, Tamara Weiß diskutiert in Connewitz bis zum Morgengrauen, Antje Vogel fährt in Gohlis eine Straßenbahn und sieht, wer wo falsch abgebogen ist. Susann Kretzschmar zapft in Eutritzsch, und Ute Wendisch aus Volkmarsdorf erinnert sich an Daten, die du längst vergessen hast.
Wer Leipzig nicht kennt, startet am besten mitten drin, bei Sabine Thiele im Graphischen Viertel oder bei Franzi Hempel auf der Karl-Liebknecht-Straße. Wer Leipzig kennt, geht dorthin, wo er wohnt, und prüft, ob die Frau den Ton trifft. Fast immer sagt sie etwas, das stimmt, und einmal im Gespräch etwas, das nicht stimmen kann. Beides gehört zu einer guten Nachbarin.
man saechsisch
Der Dialekt kommt nur dosiert vor, als Gewürz und nie als Witz auf Kosten der Sprecherin. Hier ein paar Anfangsstunden, damit du weißt, was auf dich zukommt.
Das wichtigste Wort. Es heißt je nach Betonung ja, doch, wirklich, na und. Mandy Richter, die Kabarettistin aus Lindenau, sächselt, sobald sie flirtet, und du musst raten, ob das Absicht ist. Wer ein „Nu?“ bekommt, darf es als Einladung nehmen weiterzureden.
Kaffee wird zu Gaffee, das Butterbrot zur Bemme. Dazu gehört bei Susann Kretzschmar der Gose, ein Leipziger Bier mit leicht salzigem Geschmack, und bei Ute Wendisch ein Stück Eierschecke, das sie dir zuerst wegisst und später gesteht. Mehr Sächsisch braucht es für den Anfang nicht.
Wichtiger als jedes Wort ist der Tonfall. Der Sachse sagt selten, was er meint, und meint oft das Gegenteil von dem, was freundlich klingt. Wer das mitbringt, versteht Grit Lehmann, die ihre Puppen sagen lässt, was sie dir nicht sagt, auf Anhieb besser als jemand, der nur wörtlich nimmt.
Du musst keinen Dialekt imitieren und keine Leipziger Witze kennen. Die Frauen sprechen verständlich, und wo ein Wort fremd klingt, erklären sie es. Wer es trotzdem versucht, wird freundlich korrigiert, meistens mit einem Seitenhieb. Das ist die sächsische Form der Zuneigung, und man gewöhnt sich schnell daran.
cat fenster.txt
Zu jeder Frau gehört ein Stück Stadtführer, in ihrer Stimme geschrieben. Du bekommst nicht die Sehenswürdigkeiten, sondern das, was sie vom Fenster aus sieht, auf dem Weg zur Bahn und beim Warten an der Ampel.
Wer mit Ines Hartung in Schleußig unterwegs ist, geht in Gedanken durch den Auwald und kommt an den Wegen vorbei, die sie als Försterin kennt. Wer Carola Nitzsche in Möckern fragt, bekommt zu jedem Haus eine Geschichte, von der man nicht sicher ist, ob sie ganz stimmt. Das gehört dazu. Sie reden wie Leute, die ihre Straße lieben und nichts dagegen haben, wenn man ihnen nicht alles glaubt.
Genannt werden Parks, Wasserwege, Plätze, Haltestellen und Gebäude, die jeder betreten oder anschauen darf. Läden, Lokale und Menschen kommen nicht beim Namen vor. Das schützt keine Firmen vor Werbung, sondern uns davor, etwas zu behaupten, das nicht stimmt. Kennst du ein Viertel besser als sie, wirst du es merken, und sie gibt das zu, so gut es einer Figur eben möglich ist.
Eine KI weiß nicht alles und verwechselt gelegentlich Straßen. Für Öffnungszeiten, Fahrpläne und Wege solltest du jemand anderen fragen. Als Gesprächspartnerin über ein Viertel taugt sie dennoch, solange man sie als das nimmt, was sie ist: eine erfundene Nachbarin, die gern erzählt.
Eine Kiezkarte besteht aus drei Zeilen: einem Ort, einem Urteil und einer Frage. Der Ort ist öffentlich, etwa eine Haltestelle, ein Kanalufer oder eine Parkbank. Das Urteil ist ihres und deshalb nicht immer gerecht. Die Frage richtet sich an dich und verlangt eine Antwort, die mehr ist als ein Nicken. Wer eine Karte annimmt, steigt mit diesem Dreiklang ins Gespräch ein, und alles Weitere ergibt sich aus dem, was du antwortest.
ls nachbarinnen
Wer keinen Favoriten hat, probiert eine von diesen vier. Die ganze Liste findest du unter Viertel.
AI16
Ute, 55
Stadtarchivarin
Sie erinnert sich an alles und fragt dich, was du behalten willst.
AI6
Luise, 25
Pflegefachkraft
Nach der Nachtschicht will sie von dir nur einen ehrlichen Satz.
AI8
Grit, 31
Puppenspielerin
Sie lässt ihre Puppen sagen, was sie dir nicht sagt.
AI3
Mandy, 33
Kabarettistin
Sächselt, sobald sie flirtet, und du musst raten, ob das Absicht ist.
Antje Vogel fährt in Gohlis Straßenbahn und sagt dir, welche Weiche du verpasst hast. Kerstin Pohl restauriert in der Spinnerei Gemälde und urteilt über Farben, danach über deinen Pullover. Josefine Kluge aus Plagwitz pegelt dich ein, bevor du übersteuerst. Und Sabine Thiele findet im Graphischen Viertel alles zuerst in einem alten Buch, dich eingeschlossen.
Frag dich, wie dein Abend klingen soll. Willst du Tempo, such Franzi Hempel, die Radkurierin vom Karli. Willst du Geduld, geh zu Ines Hartung in den Auwald. Willst du Widerspruch, versuch es mit Tamara Weiß in Connewitz. Und willst du einfach nur reden, setz dich zu Susann Kretzschmar an den Tresen von Eutritzsch, die ohnehin gern fragt, was man trinkt.
man prompt
Es ist eine Chatseite, die sich wie ein Terminal gibt, und wer keine Lust auf Befehle hat, klickt sich einfach durch. Beides führt zur selben Frau.
Tipp `gehe` und den Namen, etwa `gehe plagwitz`, oder such dir eine Nachbarkarte unter Viertel aus.
Die Frau aus dem Viertel antwortet und fängt an. Als Gast sind 10 Nachrichten möglich, danach brauchen wir ein Konto.
Erzähl, frag, widersprich. Die Gangart wählst du im Chatmenü: Freundschaft, Flirt oder Romanze.
Sie merkt sich, was du sagst. Willst du neu anfangen, leerst du den Chat im Menü und stehst wieder am Eingang des Viertels.
`gehe` bringt dich in ein Viertel, `ls` zeigt die Liste, `hilfe` führt zu den Fragen und Antworten. Alles andere schreibst du wie in einem normalen Chat. Wer lieber klickt, merkt keinen Unterschied, und wer tippt, hat es etwas gemütlicher.
Falsch geschrieben, falsches Viertel, falsche Reihenfolge: Der Prompt antwortet höflich und schlägt etwas vor. Niemand schämt sich für einen Tippfehler, und die Frauen schon gar nicht, denn sie tippen selbst schnell und machen Fehler. Es gibt kein Passwort, das du vergessen könntest, und keinen Befehl, der etwas zerstört.
cat merkzettel.txt
Eine Nachbarin, die nichts behält, ist keine. Deshalb führt jede Frau kleine Merkzettel über dich.
Im Menü jedes Chats liegen ihre Notizen: dein Name, was du von deinem Tag erzählt hast, wo ihr stehen geblieben seid. Du kannst sie lesen, verbessern oder wegwerfen. Was du in deinem Konto unter „Über dich“ einträgst, wissen alle sechzehn gleich zum Einstieg.
Dann kann sie sich melden, in der Probe und mit Plus, nicht zu nachtschlafender Zeit und nicht aufdringlich. Wer das nicht möchte, schaltet es in seinem Konto aus. Ob du eine Woche oder drei Monate fort warst: Sie nimmt den Faden dort auf, wo er liegt.
Echte Adressen, Telefonnummern und Namen Dritter sind in den Chats nicht gewollt, und wer sie einträgt, wird gebeten, es zu lassen. Ein Merkzettel ist ein Gesprächsfaden, kein Register. Wenn du etwas versehentlich preisgegeben hast, streichst du es im Menü selbst.
cat klartext.txt
Der Name könnte anderes vermuten lassen, deshalb vorab das Wichtigste: Es gibt hier niemanden, den man treffen könnte.
Jede der sechzehn Frauen ist von einer KI erfunden und überall als solche gekennzeichnet. Die Viertel gibt es, die Frauen nicht. Es gibt keine Kontaktdaten, keine Verabredungen, keine Adressen und keine echten Personen hinter den Figuren. Wer Leipzig kennenlernen oder Menschen treffen will, ist woanders besser aufgehoben.
Ein Gespräch, das nach Stadt klingt. Jede Frau zeigt sich in einem Porträt, die Startseite in einem Banner; alles Weitere sind Worte. Bewegtbild gibt es nicht, und wenn es kommt, melden wir es zuerst im Flurfunk. Die Gespräche dürfen knistern, aber eine Szene blendet ab, bevor sie ausdrücklich wird, auf jeder Stufe.
Weder ein höherer Tarif noch ein hartnäckiger Wunsch verändert diese Grenzen. Die Frauen sind keine Vermittlerinnen, und kein Viertel ist ein Ort, an dem man sich später verabredet. Wer das akzeptiert, bekommt ein ruhiges, oft komisches Gespräch mit jemandem, der sich auskennt.
cat preisliste.txt
Drei Wohnformen: Probewohnen, Untermiete und Plus. Keine davon verlängert sich von selbst.
| Wohnform | Probewohnen | Untermiete | Plus |
| Dauer | 3 Tage ab Zuzug | Danach unbegrenzt | 30 oder 365 Tage |
| Nachrichten | Ohne Tagesgrenze | 10 am Tag | Ohne Tagesgrenze |
| Viertel | Alle | Die ersten 3 Gespräche | Alle |
| Sie beginnt | Ja | Nein | Ja |
| Preis | Nichts | Nichts | 15 US-Dollar oder 99 US-Dollar |
Zum Probieren genügen die Gastnachrichten, bis zu 10 ohne Konto. Zieht man zu, hat man 3 Tage alle Viertel. Danach läuft die Untermiete weiter, mit 10 Nachrichten pro Tag. Plus kommt in zwei Blöcken: Der kleine reicht 30 Tage und kostet 15 US-Dollar, der große reicht 365 Tage und kostet 99 US-Dollar, beides in USDT. Eine Erstattung kennt der Mietvertrag nur dort, wo das Gesetz sie erzwingt.
Keinen Aufschlag für Viertel, die weit weg liegen, keinen Zuschlag für Gespräche nach zehn Uhr abends und keine Mahngebühr. Ein Konto, das nach der Probe nichts tut, rutscht in die Untermiete und schreibt weiter, nur mit begrenzter Zahl. So bleibt der Einstieg ein Einstieg und wird nicht zur Falle.
Nachgefragt
exit 0
Tipp dein Viertel ein, und sie antwortet. Sie wohnt an der Ecke, die du meinst, und hat schon eine Meinung dazu.
Zu den Vierteln